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Feiningers Tätigkeit als Karikaturist war nicht geplant. Sein Berufsleben hatte sich vielmehr verselbständigt. Sein Ziel war es nie gewesen, humoristische oder politische Zeichnungen anzufertigen. Trotzdem fand er sich plötzlich als der bedeutendste Vertreter dieses Faches in Deutschland wieder. Doch stieß er schnell an die Grenzen des Mediums. Durch die inhaltliche Zweckbestimmung der Karikatur hatte er nicht genügend Freiheiten für seine Phantasie.

Die Befreiung kam 1906 durch den neu erlangten Antrag aus Chicago. Für die Comic-Strips hatte er nun alle Möglichkeiten. Er konnte sich künstlerisch sowohl in Wort als auch in Bild frei bewegen. Das drückte er auch sofort in der Einführung der „Kin-der-Kids“ aus, indem er sich selbst portraitierte: stehend, als Marionettenspieler, der über seine Figuren herrscht. Nebenbei eine Innovation des Selbstbildnisses. (Siehe Bild links.) Die „Kin-der-Kids“ erschienen ab 29.04.1906 in der „Chicago Sunday Tribune“. Die Geschichten handeln von wiedererkennbaren Typen des alltäglichen amerikanischen Lebens. Sie reisen entgegen dem Trend in einer schwimmenden Badewanne aus den USA in Richtung Alte Welt. Die Parallele zu Feiningers Biografie ist nicht zu übersehen, der mit 16 Jahren nach Europa übersiedelte. Auch die „Kin-der-Kids“ sind Kinder deutscher Einwanderer. Ihr Englisch mit deutschem Akzent avancierte zum fortlaufenden Witz. Die Figuren sind charakteristisch an berühmte Amerikaner angelehnt und sehr verschieden, so dass sie dem Leser Identifikationsmöglichkeiten bieten. Neutrale Beobachter der Geschichten sind Tiere, besonders Fische, die dem Autor mit eigenen Sprechblasen für Randbemerkungen und Kommentare dienen.

Durch die Arbeit an den Comics konnte Feininger sich mehr und mehr selbst verwirklichen. Er befand sich nun auf dem Weg zu einem unabhängigen Künstler, da er auf der einen Seite fürs erste keine Geldprobleme mehr hatte, die ihn bisher zum Leben des Karikaturisten zwangen. Auf der anderen Seite konnte er hier auch ohne Rücksicht auf die Tagespolitik arbeiten. Im Mittelpunkt stand plötzlich die zeichnerische Gestaltung, so dass er auf der Suche nach einer eigenen künstlerischen Identität einen großen Schritt vorangekommen war.